Schreck abschütteln
Zwei hilfreiche Dinge sind mir gestern um 22:34 wieder mal gedämmert. Erstens: Ich bin ein wehrhaftes Weib, zweitens ist mein Körper wie der treuherzigste Bernhardiner an meiner Seite, wenn ich ihn lass. Und zwar bin ich eine unmotivierte Abendrunde mit dem Hündchen geschlurft, weil ich eigentlich krank bin und in die Hapfn gehör, aber die Schimpansen auf Papawochenende sind und ich dem Hund halt schlecht sagen kann: Weißt was? Bitte zwick zam. Jedenfalls schlurf ich um den Häuserblock, komm bei der Baustelle vorbei und seh, wie sich drei Jugendliche dort zu schaffen machen. - Fühl ich mich nona gleich in Amt und Würden, die ein bissl anzupflaumen und erkundig mich, was sie denn leicht treiben. Nix, nix, wir gehn schon.
Hatsch ich also weiter und bin schon recht selbstzufrieden - Autorität mit Mitte vierzig kein Bemmerl und so. Stellen sich auf einmal meine Nackenhaare auf und ich spür: Eva, dreh dich SOFORT um. Dreh ich mich also um, rast grad eins dieser Heisln mit hocherhobenen Armen auf mich zu, einen gefladerten Baustellenkarton in der Hand um ihn über mich zu stülpen. - Hündchen leider verdattert und nicht hilfreich, meine Instinkte fahren allerdings zu voller Blüte auf und uch brüll dem Burschen eine Salve Verwünschungen an die Birne, dass er am Absatz kehrtmacht und mit den restlichen Wapplern Richtung Diepoldpark galoppiert. Ich überleg in meiner Rage kurz, ob ich ihnen nachrenn, weil ich noch nicht fertig bin mit meiner Tirade, verzupf mich dann aber schlauerweis heim. Und merk: Öha, mir schnackeln die Knie. Und ich merk: Ich bin nicht nur ein wegrhaftes Weib, ich bin halt auch eine Yogatante mit 24 Jahren Praxis am Buckel und vor allem die somatischen und traumasensiblen Aspekte helfen jetzt. Weil ich weiß: Mein Körper ist kein Trottel, mir sitzt ein Schreck in den Knochen und intellektualisieren (Nix passiert! Geht scho wieder!) reichert nicht. Also ruf ich meine Schwester an ubd erzähls ihr und sie hört einfach zu und bestätigt: Ja, oag. Und gut reagiert.
Dann schüttel ich mich 5 Minuten im Wohnzimmer und mir schießen auf einmal die Tränen runter, erst Angst, dann Tobsucht wallen durch mich durch und ich kicke ein paar Mal ordentlich in der Gegend herum. Und dann merk ich: Pfeift! Schreck körperlich durchgeschleust, ich leb trotzdem noch im viert-sichersten Land der Welt und es ist wirklich nix passiert. Und dass mein Körper weder sanktioniert, reguliert noch kontrolliert gehört, sondern gefeiert. Bist deppert, is er gscheit.
Nur der Vollständigkeit halber: die drei Halbstarken haben ausgeschaut, als wären sie der Döblinger Fadesse entfleucht und hätten auf dem Weg Richtung Juridicum einen Abstecher nach Hernals gemacht ;)